Sehbeeinträchtigungen können dazu führen, dass Menschen bei der Nutzung von Software oder Webseiten eingeschränkt sind. Dies kann unter anderem daran liegen, dass sie z. B. Texte nicht vernünftig lesen können oder Inhalte nicht so dargestellt werden, dass diese wahrgenommen werden können.

Durch eine angemessene barrierefreie Gestaltung ist es aber möglich, diesen Einschränkungen entgegenzuwirken um die Inhalte so zugänglich wie möglich zu machen. Auf dieser Webseite wollen wir einen Überblick über die verschiedenen Sehbeeinträchtigungen geben und präsentieren, wie durch das bewusste Gestalten oder Bieten von individuellen Anpassungsmöglichkeiten auf die Bedürfnisse von betroffenen Personen eingegangen werden kann.

Neugierig, wie sich solche Beeinträchtigungen überhaupt auswirken? Durch unseren Simulator unten rechts kann ausprobiert werden, wie bspw. eine verminderte Sehschärfe oder ein verringertes Sichtfeld bei der Betrachtung dieser Webseite aussehen würde.

Welche Sehbeeinträchtigungen gibt es?

Die Auswirkungen, die Sehbeeinträchtigungen auf die Benutzung von Software und Webseiten haben können, können sich in die folgenden fünf Kategorien aufteilen lassen.

  1. Sehschärfe
  2. Lichtsensitivität
  3. Kontrastsensitivität
  4. Sichtfeld
  5. Farberkennung

Sehbeeinträchtigungen können unterschiedliche Ursachen haben und durch verschiedene Erkrankungen oder Einschränkungen entstehen. Dabei können Menschen auch von mehreren Sehbeeinträchtigungen betroffen sein. Im Folgenden werden die häufigsten Beeinträchtigungen beschrieben, die einen direkten Einfluss auf die Nutzbarkeit von Software und Webseiten haben können.

Ametropie

Auswirkungen:Sehschärfe

Bei einer Ametropie hat das Auge ein Problem, durch die Form des Auges und/oder der Hornhaut das Licht auf der Retina zu fokussieren. Dadurch wird das Gesehene unscharf. Eine Ametropie kann in den folgenden verschiedenen Formen auftreten.

Erfahren Sie die Auswirkungen von verringerter Sehschärfe im Simulator.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Bei einer Kurzsichtigkeit wird das Licht vom Auge vor der Retina fokussiert. Dadurch werden Objekte die weiter entfernt sind unscharf, während Objekte die näher dran sind scharf gesehen werden.

Weitsichtigkeit (Hypermetropie)

Bei der Weitsichtigkeit ist es andersrum. Objekte die weiter entfernt sind werden scharf gesehen, während Objekte die nahe sind unscharf gesehen werden.

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Bei einer Hornhautverkrümmung werden die Lichtstrahlen, die von einem betrachtetem Objekt ausgehen nicht auf einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt, sondern in einer Brennlinie. Dadurch können Objekte unscharf werden, unabhängig von der Entfernung.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Die Alterssichtigkeit bezeichnet den altersbedingten Verlust der Fähigkeit das Sehen auf nahe Objekte zu fokussieren.

Anisometrie

Haben das linke und das rechte Auge unterschiedliche Ametropien, spricht man von einer Anisometrie. Das heißt, dass bspw. das linke Auge kurzsichtig ist, während das rechte Auge weitsichtig ist.

Grauer Star (Katarakt)

Auswirkungen:SehschärfeLichtsensitivitätKontrastsensitivität

Bei einem Grauen Star ist die Augenlinse getrübt. Dadurch kommt es zu verschwommenem Sehen und einer höheren Empfindlichkeit für Blendungen. Dies kommt durch einen reduzierten Bildkontrast und Betroffene nehmen ihr Sichtfeld wie durch einen Nebel wahr.

Glaukom (Grüner Star)

Auswirkungen:Sichtfeld

Der Begriff Glaukom fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, die eine nicht umkehrbare Schädigung des Sehnervs bezeichnen. Bei Menschen mit einem Glaukom treten im Sichtfeld “blinde Flecken” auf. Dabei beginnt der Ausfall meist am Randbereich des wahrgenommenem Bildes und verteilt sich im Verlauf der Erkrankung auf das gesamte Sichtfeld.

Erfahren Sie die Auswirkungen von Sichtfeldeinschränkungen im Simulator.

Usability & Sehbeeinträchtigungen

Die Bedürfnisse von Nutzenden mit Sehstörungen unterscheiden sich individuell, abhängig von der Art der Einschränkung und der Schwere der Einschränkung. Um darauf eingehen zu können, kann man diese Bedürfnisse in verschiedene Kategorien einteilen. Um Webseiten und Software so barrierefrei wie möglich zu gestalten sollte den Nutzenden ermöglicht werden, eigene Einstellungen in eben diesen Kategorien treffen zu können um ihr Nutzungserlebnis nach eigenen Wünschen anpassen zu können

Helligkeit & Farbe

Helles Licht eines Bildschirms oder von anderen Quellen erschwert es einigen Menschen mit schlechter Sicht Texte zu lesen und kann auch Schmerzen verursachen. Dies kann durch eine Einstellungsmöglichkeit der Helligkeit vermieden werden. Auch Hintergrund- und Schriftfarbe zur Anpassung des Kontrastes spielen eine wichtige Rolle für die Lesbarkeit. Hierbei können die optimalen Bedingungen für die Lesbarkeit stark zwischen individuellen Menschen unterscheiden, weswegen eine breite Möglichkeit an Einstellungen hilft.

Weiterhin können durch Farbsinnstörungen Einschränkungen beim Betrachten entstehen, weswegen es für eine Barrierefreiheit wichtig ist, nicht auf Farben zurückzugreifen um verschiedene Elemente zu unterscheiden.

Abc

Was denken Sie?

Ist der vorliegende Farbkontrast für eine barrierefreie Gestaltung ausreichend?

Lesefluss

Beim Tracking geht es darum, den Zeilen des Textes folgen zu können und den Text so anzuordnen, dass er von verschiedenen Menschen so gelesen werden kann, wie es für sie am besten funktioniert. Dies kann bspw. dadurch gewährleistet werden, dass Texte die durch das Einstellen einer größeren Schriftart so angeordnet werden, dass Nutzende nur vertikal scrollen müssen und nicht horizontal und vertikal.

Weiterhin kann es schwierig sein, Texten oder Inhalten mit mehreren Spalten zu folgen, wenn am Ende eines Absatzes wieder nach oben gescrollt werden muss. Hier kann es helfen, Nutzenden anzubieten den Text in einer Spalte darzustellen.

Wahrnehmung

Bei der Wahrnehmung geht um das Erkennen von einzelnen Zeichen und Symbolen. Dabei können verschiedene Elemente verwendet werden, um Text und Anzeigen für Nutzende lesbarer zu gestalten. Dies kann durch das freie Einstellen von Schriftgröße, dem Schriftfont, dem Schriftstil (z.B. fett oder unterstrichen) oder von Groß- und Kleinschreibung ermöglicht werden.

Text- und Zeilenabstand zum Lesen

Mithilfe von variabel einstellbaren Abständen zwischen Zeilen, Buchstaben und Wörtern können Texte lesbarer gestaltet werden. Auch eine freie Einstellung der Textausrichtung kann dabei unterstützen.

Weiterhin ist es für einige Menschen schwierig, Buchstaben zu unterscheiden, wenn diese nah am Rand sind. Durch frei einstellbare Seitenränder und/oder einstellbare Umrandungen um einzelne Textblöcke zu unterscheiden kann die Lesbarkeit weiterhin gesteigert werden.

Steuerung von individuellen Elementen

Durch das Verändern von Schriftgröße kann es dazu kommen, dass gewisse Elemente wie bspw. Überschriften zu groß werden um den eigentlichen Text gut lesen zu können. Weiterhin präferieren einige Menschen es, den Haupttext größer einzustellen als Überschriften oder haben einen Stil gefunden, mit dem sie persönlich die beste Lesbarkeit haben. Deswegen kann es helfen, Nutzenden zu erlauben einzelne Elemente wie eben Überschriften, Text oder Listen individuell anzupassen.

Betrachtungsfeld und Nähe

Durch das Vergrößern von Text ändert sich auch der Bereich der im Sichtfeld ist. Wenn der Fokuspunkt dabei nicht der gleiche bleibt wie vor dem Verändern kann es für einige Menschen schwierig sein, diesen Punkt wiederzufinden. Deswegen sollte der Fokuspunkt bei Anpassungen wie Zoomen oder Formatieren der gleiche bleiben. Menschen mit einem limitierten Sichtfeld haben wenige Elemente zur gleichen Zeit in ihrem Sichtfeld. Wenn zusammengehörende Informationen oder Feedback nach Aktionen nicht in der Nähe zueinander sind, kann es schwierig werden diese wahrzunehmen.

Einstellungsmöglichkeiten richtig einbinden

Durch das Verändern von bspw. Größe oder Zeilenabstand kann es passieren, dass Elemente aus dem Sichtfeld verschwinden oder auch überlappen und unlesbar werden. Deswegen ist es wichtig, eine Größenanpassung so zu gestalten, dass alle Elemente in der richtigen Form bleiben und keine Interface-Elemente versteckt werden, die der Nutzende sehen sollte.

Da es weiterhin für einige Nutzende schwierig ist, Text auf einem Bildschirm zu lesen sollte es ermöglicht werden, den Text jederzeit druckbar zu machen und dabei auch die individuellen Einstellungen die getroffen worden sind zu berücksichtigen. Die meisten Betriebssysteme oder Browser ermöglichen Nutzenden es, Standardeinstellungen nach ihrer persönlichen Präferenz zu treffen. Diese sollten von einer barrierefreien Website automatisch übernommen werden können.

Allgemeine Hinweise

Für die generelle Benutzung von Software und Webseiten kann es außerdem hilfreich sein, Shortcuts zu erstellen oder Browser-Shortcuts zu erlauben. Dadurch sind Nutzende nicht nur auf ihre visuelle Wahrnehmung angewiesen, sondern können auch mit vertrauten Möglichkeiten Anpassungen machen oder Befehle ausführen, die bei der Nutzung unterstützen. Weiterhin sollte sichergestellt werden, dass es Screenreadern ermöglicht wird, die Inhalte vorzulesen.